Sardinien besteht zu einem großen Teil aus Gesteinen des Paläozoikums, genauer gesagt aus dem Kambrium und Silur. Kambrische Sedimente und Metamorphite findet man im Iglesiente und Sulcis. Sie gehören zu drei verschiedenen Serien: An der Basis eine Sandsteinformation, an der Oberfläche tonhaltige Schiefer und dazwischen Kalk- und Dolomitschichten, in die Zink- und Bleivorkommen eingelagert sind (Gebiet von Iglesias).
Im Karbon drang während der herzynischen Gebirgsbildung glutflüssige Gesteinsschmelze in die Erdkruste ein. Nach der Erstarrung des Magmas bildete sich so der sardische Batholit, ein aus Graniten aufgebauter Tiefengesteinskörper, der heute das Fundament der Insel darstellt. Durch den starken Druck und die hohen Temperaturen, die beim Aufsteigen des Magmas erreicht wurden, wurden die bereits vorhandenen Gesteinsschichten in kristalline Schiefer, Quarzite und Porphyr umgewandelt, die wie ein Mantel die darunterliegenden Granite überdecken.
Die herzynische Gebirgsbildung mit den zahlreichen Intrusionen war eine der gewaltigsten Umwälzungen in der sardischen Erdgeschichte und hat das Landschaftsbild der Insel nachhaltig beeinflußt. So läßt sich die Lage der wichtigsten Gebirgszüge, die Zusammensetzung der Böden und die zahlreichen Mineralvorkommen auf dieses Ereignis zurückführen. Außerdem wurden verschiedene große Bruchzonen angelegt.
Aus dem mittleren und oberen Paläozoikum gibt es wenige Gesteine. Bis zu Beginn des Mesozoikums war ein großer Teil des herzynischen Gebirges bereits abgetragen (Peneplain mit monotonen Landschaftsformen), in der Jura- Kreidezeit überflutete dann ein Flachmeer große Teile der Insel. In diesem Meer lagerten sich mächtige Flachwassersedimente aus Kalken und Dolomiten ab, die nach dem Rückzug des Meeres an die Erdoberfläche gelangten.
Die alpidische Gebirgsbildung hatte auf Sardinien vor allem das Zerbrechen der Erdkruste in einzelne Schollen zur Folge, die anschließend gehoben oder abgesenkt wurden. Ein großer Graben brach ein, der die Insel in zwei Teile teilte: einen östlichen mit einem zusammenhängenden Gebirgsmassiv und den westliche Teil, der durch kleinere Einbruchzonen charakterisiert ist.
Im Miozän erreichte die Grabenbildung ihren Höhepunkt. Es kam zu einer erneuten Meerestransgression, Sardinien trennte sich vom Festland und es bildete sich ein untermeerischer Kanal, in dem sich zahlreiche Sedimente ablagerten (heute zwischen Cagliari und Sassari).
Die tektonischen Bewegungen hatten die Entstehung weiterer Bruchzonen zur Folge, es bildeten sich große Depressionen, die Sardinien von den beiden Inseln San Pietro und Sant´ Antioco trennten. An diesen Bruchzonen flossen im Tertiär und Quartär große Lavamengen aus, die sich zwischen dem Campidano d´Oristano, dem Tirsotal, dem Logudoro und den Küsten verteilten. Auch der untermeerische Kanal wurde mit quartären Sedimenten verfüllt.
Seit dem Quartär hat sich die Form Sardiniens im großen und ganzen kaum verändert. Die Insel ist heute in geologischer Hinsicht zur Ruhe gekommen, Erdbeben sind sehr selten.
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